Antwort auf mystische Grenzerfahrung einer Teilnehmerin

Du schreibst über Deine "innere Spannung" und beschreibst damit in Deinen Worten den Zustand der sich bei allen Menschen in unterschiedlicher "greifbarer, ansprechbarer" Form entwickelt, wenn...

5/29/20262 min read

Die Entstehung von Raum und Zeit durch das Ego

Deine „innere Spannung“ beschreibt genau den Zustand, der sich bei allen Menschen in unterschiedlicher Form entwickelt, wenn sich die rationale, analytische Gehirnhälfte durch Übungsabläufe aus ihrer dominierenden Form verliert.

Die normale Ego-Struktur muss sich immer als Subjekt zu anderen Objekten im Außen in Bezug stellen, um sich selbst zu „beweisen“ und ein Gefühl von Existenz zu erfahren. Alles wird getrennt wahrgenommen: Hier bin ich und dort bist Du.

Daraus entstehen zwei wesentliche Illusionen:

  • Raum: Der Abstand zwischen Dir (dem Subjekt) und dem Anderen (dem Objekt) wird räumlich messbar und spannt Raum auf.

  • Zeit: Um diesen Raum von Dir zum anderen zu überbrücken, vergeht Zeit. So entsteht eine lineare Zeitachse von der Vergangenheit hin zur Zukunft.

Das Aufweichen der Trennung (Der „All-Raum“)

Wenn nun die logisch-analytischen Gehirnaktivitäten reduziert werden (wie in unseren Kursen), wird diese raumaufspannende Egostruktur aufgeweicht und durchlässig. Die scharfen Trennungen fangen an zu verschmelzen.

Es gibt zwar weiterhin ein Ich-Bewusstsein, doch der Raum verbindet Dich gleichzeitig mit den Erfahrungen der anderen. Er wird zu einem „All-Raum“, in dem sich die Trennungen mehr und mehr auflösen.

Die Entstehung der inneren Spannung

Genau an diesem Wendepunkt der beginnenden Auflösung beginnt sich die „Spannung“ aufzubauen. Da der vorher klar definierte Raum sich ausdehnt und die anderen Objekte in die eigene Subjektivität einschließt, verändert sich auch das Zeitgefühl:

Zeit wird langsamer und dichter. Da der zu überbrückende Raum mit dem Zielobjekt verschmilzt, wandelt sich die Linearität der Zeit hin zu einem pulsierenden Raum-Zeit-Erleben.

Du erfährst gerade eine Transformation: Du erlebst die Welt nicht mehr getrennt in ein bewertendes Subjekt und die „Objekte da draußen“. Dies ist eine fundamentale Veränderung. In diesem allseits verbundenen Raumgefühl verlieren Kriege, Streit, Gier und Hass ihre Basis – denn Du würdest Dich darin sofort selbst verletzt fühlen, weil Du den Schmerz anderer als Teil eines allumfassenden Bewusstseins mitempfindest.

Die Falle des Egos und die Kunst des Verankerns

Das Fatale an diesen ersten Erfahrungen einer „anderen Welt“ (die im Ansatz bereits durch Einsteins Relativitätstheorie für die materielle Welt erklärt wurde) ist: Die Ego-Struktur wird versuchen, diese Erfahrungen zu benutzen, um sie in das eigene Konzept zu integrieren.

Das Ego flüstert Dir dann entweder ein:

  • „Das ist alles Blödsinn und nur Fantasie.“

  • Oder: „Du bist jetzt heilig geworden und verstehst die Welt.“

Die Kunst wird sein, diese neuen Erfahrungen eben genau nicht zu bewerten oder zu beurteilen, sondern sie zu ankern. Erforsche die Details der Erfahrung (Temperatur, Farben, Geschmack, Empfindungen), breite sie ganz in Dir aus und erinnere Dich immer wieder daran.

Und vor allem: Erlaube Dir das Scheitern. Fange immer wieder ganz unschuldig „mit dem nackten Baby-Popo“ von vorne an.

Lektüre-Empfehlung

Als Einstieg für diese mystisch-physikalischen Betrachtungen kann ich Dir das Buch „Briefe an Vanessa“ empfehlen.

Di 03.11, bis So 08.11.26
Wer bin ich? Wer sind Wir?
Eine Forschungsreise zu Identität, Beziehung und dem Raum, der uns verbindet.

Mystische Grenzerfahrung

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