wer bin ich?

Di 03.11. bis So 08.11.26

Enlightenment Intensive

Eine intensive Forschungsreise zur unmittelbaren Erfahrung des eigenen Wesens

Di 03.11. 18:00 Uhr bis So 08.11.26 16:00 Uhr
Seminarhaus Schloss Tempelhof,
Tempelhof 3, 74594 Kreßberg

Inhalt

Wer bin ich, bevor ich weiß, wer ich bin?

Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens damit, eine Vorstellung von uns selbst aufzubauen. Unsere Geschichte gehört dazu, unsere Beziehungen, unser Beruf, Erfolge und Niederlagen, Verletzungen und Sehnsüchte, unser Körper, unsere Überzeugungen und all die Erfahrungen, aus denen im Laufe der Jahre ein immer dichteres Bild dessen entsteht, den wir „Ich“ nennen.

Dieses Bild ermöglicht Orientierung und gibt unserem Leben Kontinuität. Gleichzeitig kann irgendwann eine tiefere Frage auftauchen: Wer bin ich hinter all dem? Was bleibt, wenn die vertrauten Erklärungen über mich für einen Augenblick ihre Selbstverständlichkeit verlieren? Was ist da, bevor ich mich beschreibe, bevor ich mich einordne, bevor ein Gedanke sagt: Das bin ich?

Die Frage „Wer bin ich?“ begleitet die mystischen Wege der Menschheit seit Jahrtausenden. Im Enlightenment Intensive wird sie zu einer unmittelbaren Forschung. Für mehrere Tage bekommt sie unsere ganze Aufmerksamkeit. Sie wird immer wieder gestellt, aufgenommen, durchlebt und in die eigene Erfahrung hineingetragen, bis aus einer zunächst gedanklichen Frage ein tiefer Erfahrungsraum werden kann.

Die Frage fällt in dich hinein

Im Zentrum steht die Begegnung zweier Menschen. In einer Dyade sitzt dir ein Partner gegenüber, schaut dich an und gibt dir die Aufforderung: „Sag mir, wer du bist.“ Die Partner wechseln von Dyade zu Dyade. Im Lauf der drei Intensivtage sitzt dir immer wieder ein anderer Mensch gegenüber. Dadurch wird die Frage aus wechselnden Begegnungen neu in dich hineingegeben und ein festes Beziehungsmuster kann sich weniger leicht über den eigentlichen Prozess legen.

Sag mir, wer du bist.“

Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Die Frage trifft auf deinen Körper, deine Gefühle und dein Denken. Vielleicht zieht sich der Bauch zusammen, die Brust wird weit, eine Erinnerung taucht auf, Widerstand entsteht oder ein Gedanke schießt durch den Kopf. Vielleicht zeigt sich zunächst Leere. Dieser erste Impuls wird wahrgenommen, aber noch nicht unmittelbar ausgesprochen.

Mit möglichst ungeteilter Aufmerksamkeit und ganzer Willenskraft gehst du in diesen Impuls hinein. Du lässt die schnelle Erklärung darüber ruhen und versuchst für einen Moment, genau diese körperliche, emotionale oder gedankliche Bewegung ganz und wahr zu sein. Was zeigt sich, wenn du dich ihr vollständig überlässt? Erst das, was aus dieser Vertiefung heraus auftaucht, teilst du deinem Gegenüber mit.

Der Zuhörende bleibt präsent und aufmerksam. Er kommentiert, deutet und berät nicht. Danach wechseln die Rollen. Mit der nächsten Frage beginnt der Vorgang von Neuem.

Die doppelte Kontemplation

In dieser Bewegung liegt die besondere Kunst des Enlightenment Intensive. Die erste Kontemplation beginnt mit der Frage, die von außen in dich hineinfällt. Du nimmst wahr, welche spontane Antwort dein Organismus darauf gibt. Die zweite Kontemplation beginnt genau dort: Du richtest deine ganze Aufmerksamkeit auf diesen Impuls und gehst tiefer, bevor du ihn in Sprache verwandelst.

Unser Verstand ist gewohnt, Erlebnisse sofort einzuordnen, zu erklären und in bekannte Zusammenhänge einzubauen. Durch die doppelte Kontemplation wird diese automatische Kontrollbewegung des Denkens nach und nach weniger dominant. Körper, Emotion und Gedanke werden nicht bekämpft; sie werden zum Tor in die unmittelbare Erfahrung. Mit jeder neuen Frage kann eine weitere Schicht sichtbar werden.

So entsteht über Stunden und Tage eine zunehmende Verdichtung. Vertraute Selbstbeschreibungen verlieren an Festigkeit. Erinnerungen, Gefühle, Widerstände und Phasen des Nichtwissens können auftauchen. Manchmal öffnet sich Stille. Manchmal entsteht eine Klarheit, für die Worte erst später gefunden werden. Die Frage bleibt dabei dieselbe und gewinnt gerade durch ihre Wiederholung an Tiefe.

Drei Tage nach innen

Die ersten drei vollen Tage gehören vollständig diesem Prozess. Außerhalb der angeleiteten Übungen wird nicht gesprochen. Die Teilnehmer nehmen während dieser Zeit auch sonst keinen privaten Kontakt miteinander auf und unterbrechen den Kontakt nach außen. Handy, Internet, Nachrichten, berufliche Themen und soziale Medien ruhen. Die Sinne werden für diese Tage gewissermaßen nach innen gestülpt.

Auch zwischen den Dyaden bleibt die Frage gegenwärtig. Sie begleitet die Gehmeditation, die Arbeitsmeditation, Körper- und Atemübungen und die stillen Übergänge des Tages. Aus einer Übung wird allmählich ein durchgehender Forschungsraum: Wer bin ich beim Gehen? Wer bin ich in einer einfachen Tätigkeit? Wer bin ich in Müdigkeit, Widerstand, Freude oder Leere?

Die Mahlzeiten werden vorbereitet und in Portionen ausgegeben. Dadurch muss auch beim Essen möglichst wenig organisiert und entschieden werden. Schmecken, riechen, kauen, den Körper spüren und wieder zur Frage zurückkehren werden Teil derselben Konzentration. Der Tag beginnt früh und folgt einem klaren Rhythmus aus Dyaden, Bewegung, Geh- und Arbeitsmeditation, Essen und kurzen Ruhezeiten.

Was geschieht, wenn die üblichen Muster nicht mehr greifen?

Unser alltägliches Bewusstsein lebt in hohem Maß von Wiederholung. Wir kennen unsere bevorzugten Gedanken, unsere emotionalen Schutzbewegungen und die Reaktionen unseres Körpers. Viele dieser Bewegungen geschehen schneller, als wir sie bewusst wahrnehmen. Wenn äußere Ablenkung für einige Tage weitgehend wegfällt und die Aufmerksamkeit immer wieder zu derselben Frage zurückkehrt, können diese vertrauten Reaktionsmuster ihre Selbstverständlichkeit verlieren.

Dann beginnt eine sehr einfache und zugleich radikale Forschung: Was zeigt sich, wenn meine üblichen gedanklichen, emotionalen und körperlichen Reaktionen mich nicht mehr zuverlässig in die bekannte Geschichte über mich zurückführen? Vielleicht erscheint eine weitere Schicht der eigenen Biografie. Vielleicht begegnen wir Angst, Trauer, Wut oder großer Lebendigkeit. Vielleicht kommt eine Phase, in der jede Antwort unzureichend erscheint. Auch das Nichtwissen gehört in diesen Prozess.

Tiefe oder mystische Erfahrungen können geschehen: Augenblicke großer Klarheit, Verbundenheit, Liebe, Leere oder Gegenwärtigkeit. Sie lassen sich weder herstellen noch versprechen. Ebenso wesentlich kann eine sehr schlichte Erfahrung sein, in der etwas bisher Übersehenes plötzlich vollkommen wahr wird. Entscheidend bleibt die unmittelbare Begegnung mit dem, was sich tatsächlich zeigt.

Keine Lehre über das Selbst

Das Enlightenment Intensive vermittelt keine bestimmte Lehre, Theorie oder religiöse Praxis. Es gibt keine vorgegebene Vorstellung darüber, was der Mensch in seinem Wesen ist und wie eine „richtige“ Erfahrung aussehen müsste. Buddhistische, christliche, mystische und philosophische Traditionen haben unterschiedliche Worte für Erfahrungen gefunden, in denen das vertraute Ich durchlässiger wird. Während des Intensives lassen wir diese Deutungen im Hintergrund.

Im Mittelpunkt steht die direkte Erfahrung des eigenen Wesens. Ein Mensch mit christlichem Hintergrund kann mit derselben Frage forschen wie ein Buddhist, ein Atheist oder jemand ohne spirituelle Tradition. Das eigene Erleben ist der Prüfstein. Was ist jetzt wahr? Was zeigt sich, wenn die vertrauten Antworten ruhiger werden? Wer bin ich?

Ein klarer Rahmen für eine tiefe Erfahrung

Die Konzentration des Intensives braucht einen verlässlichen gemeinsamen Rahmen. Die Vereinbarungen sind keine Prüfung und kein asketisches Ideal. Sie schützen die Aufmerksamkeit der einzelnen Teilnehmer und helfen, die Energie, die gewöhnlich in Kommunikation, Ablenkung und Beziehungsgestaltung fließt, für einige Tage vollständig der eigenen Forschung zur Verfügung zu stellen.

  • Außerhalb der angeleiteten Übungen halten wir während der drei Intensivtage Schweigen und verzichten auf bewusste private Kontaktaufnahme innerhalb der Gruppe.

  • Handy, Internet, Lesen, Medienkonsum, berufliche Kommunikation und Kontakt nach außen pausieren in dieser Zeit.

  • Wir bleiben bei der vereinbarten Kontemplationsfrage und der gemeinsamen Methode, damit der Prozess seine Konzentration behält.

  • Wir respektieren den persönlichen Raum der anderen Teilnehmer und verzichten während der Intensivphase auf körperliche Annäherung, Flirt und sexuelle Kontakte.

  • Alkohol und berauschende Substanzen gehören nicht in diese Tage. Notwendige Medikamente werden selbstverständlich weiter eingenommen; besondere gesundheitliche Anforderungen besprechen wir vorher.

  • Die gemeinsamen Zeiten werden zuverlässig eingehalten. Wer Unterstützung braucht oder gesundheitlich an eine Grenze kommt, wendet sich direkt an die Leitung.

Von der Erfahrung zurück ins Leben

Nach den drei intensiven Tagen verändert sich am Samstag der Rhythmus. Die Konzentration öffnet sich wieder. Längere Atem- und Meditationsarbeit, Körperwahrnehmung, Natur, Stille und gemeinsamer Austausch geben dem Erlebten Zeit, sich zu setzen. Samstag und Sonntag gehören der Integration.

Gerade dieser Schritt ist uns wesentlich. Eine tiefe Erfahrung kann das gewohnte Selbstverständnis für einen Augenblick weit öffnen. Schon kurze Zeit später beginnt der Geist, daraus wieder eine Geschichte zu machen. Auch eine Erfahrung von Weite oder Egolosigkeit kann Teil eines neuen Selbstbildes werden und damit genau jene Abgrenzung verstärken, die sich zuvor vielleicht gelöst hatte.

Deshalb fragen wir nach der Erfahrung weiter: Was verändert sich tatsächlich in meinem Leben? Wächst meine Fähigkeit zu Mitgefühl und Verantwortlichkeit? Kann ich Menschen offener begegnen? Werde ich wahrhaftiger im Umgang mit mir selbst? Entsteht mehr Lebendigkeit, Demut oder Staunen? Mystische Erfahrung bekommt für uns dort Boden, wo sie wieder in Beziehung, Alltag und gelebte Wirklichkeit zurückkehrt. Zugleich kann eine mystische Erfahrung zu einer Ankererfahrung werden: zur Erinnerung daran, dass die vertraute Konstruktion unseres Ichs nur einen Teil unseres Seins umfasst und dass wir in einen größeren Zusammenhang eingebunden sind und mit ihm in Verbindung stehen. Dieser innere Halt braucht keine endgültige Erklärung; er kann im Alltag wie eine leise Erinnerung hinter den gewohnten Ego-Konstruktionen wirksam bleiben.

Für wen ist das Ganze?

Eingeladen sind Menschen, die sich selbst tiefer begegnen und das eigene Wesen unmittelbar erfahren möchten.

Vorerfahrung in Meditation oder spiritueller Praxis kann hilfreich sein, ist jedoch keine Voraussetzung. Wesentlich ist die Bereitschaft, sich für mehrere Tage wirklich auf den Prozess einzulassen und auch durch jene Phasen hindurchzugehen, in denen Widerstand, Müdigkeit, starke Gefühle oder Nichtwissen auftauchen. Das Intensive setzt eine ausreichende psychische und emotionale Stabilität voraus. Bei laufender psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung oder nach einer kürzlich erlebten schweren psychischen Krise bitten wir vor der Anmeldung um ein persönliches Gespräch.

Der Weg durch die sechs Tage

Am Dienstagabend beginnen wir mit dem Ankommen, persönlichen Vorgesprächen, einer ausführlichen Einführung in die Methode und der ersten Dyade.

Von Mittwoch bis Freitag folgen die drei vollständigen Tage des Enlightenment Intensive. Der Tagesrhythmus führt vom frühen Morgen bis in den Abend durch Dyaden, Geh- und Arbeitsmeditation, Körper- und Atemübungen, Mahlzeiten und Ruhephasen.

Samstag und Sonntag öffnet sich der Raum für Integration, vertiefende Atem- und Meditationsarbeit, Natur und gemeinsamen Austausch.

- Wolfgang Sechser

Jg. 61. ist Philosoph, Unternehmer und Mitgründer der Gemeinschaft Schloss Tempelhof. Seit über 25 Jahren beschäftigt er sich mit Meditation, Mystik, intensiver Selbsterforschung und gemeinschaftlichen Entwicklungsprozessen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Frage, wie spirituelle Erfahrung im konkreten Leben, in Beziehung und Verantwortung wirksam werden kann.

- Judith Goldblatt

Jg. 59, ist Mitinitiatorin der Gemeinschaft Tempelhof und verfügt über langjährige Erfahrung in der Begleitung persönlicher und gemeinschaftlicher Entwicklungsprozesse. Ihre Arbeit verbindet Meditation, Dyadenarbeit, biografische Erforschung, WIR-Prozesse und eine feine Wahrnehmung für innere Prozesse.

Euer Leitungs-Team

Teilnahmebeitrag

Der Beitrag erfolgt nach Selbsteinschätzung entsprechend den eigenen finanziellen Möglichkeiten. Die Verpflegung von Dienstagabend bis Freitagabend ist bereits im Teilnahmebeitrag enthalten.

Zusätzlich über das Seminarhaus bezahlt werden die Übernachtungen während des gesamten Aufenthalts sowie die Verpflegung von Samstagfrüh bis einschließlich Sonntagmittag. Ermäßigungen sind nach Absprache möglich.

Richtwert

650€

Anmeldung

Bitte überweisen sie ihren selbstgewählten Teilnehmerbeitrag auf folgendes Konto:
Lebensschule
grund stiftung am Tempelhof

IBAN: DE56 4306 0967 8207 9751 04
Verwendungszweck: Wer bin ich, Name
Wenn das Geld auf dem Konto eingegangen ist, erhalten sie eine Anmeldebestätigung von uns per E-Mail

Mit meiner Anmeldung erkläre ich mich mit Folgendem einverstanden:

Übernachtung
Die Übernachtung ist separat beim Seminarhaus zu buchen.

Rücktritt

Der Rücktritt muss schriftlich erfolgen. Bei Rücktritt bis 21 Tage vor Kursbeginn berechnen wir eine Bearbeitungsgebühr von 10% der gebuchten Leistungen (mindestens 25 Euro). Bis 7 Tage vor Kursbeginn werden 50% der gebuchten Leistungen fällig. In der letzten Woche vor Kursbeginn oder bei no show wird die komplette Kursgebühr einbehalten.

Eigenverantwortung

Ich bestätige, dass ich psychisch und emotional stabil bin. Dass ich keine Psychopharmaka einnehme oder bis vor kurzem eingenommen habe, und dass ich für mein Wohlbefinden im Training selbst verantwortlich bin.

Gemeinnütziger Bildungsauftrag

Dieses Seminar ist ein gemeinnütziges Bildungsangebot der grund-stiftung (§ 52 AO).

  • Persönlichkeitsbildung & Selbstreflexion: Vermittlung strukturierter Kontemplations- und Introspektionstechniken (u. a. Dyaden-Arbeit) zur Förderung von Selbsterkenntnis, emotionaler Stabilität und innerer Klarheit.

  • Kommunikations- & Beziehungskompetenz: Schulung von wertfreiem Zuhören, Präsenz und Projektionsabbau im Gegenüber zur Stärkung der Dialog-, Konflikt- und Empathiefähigkeit im gesellschaftlichen Miteinander.

  • Transfer in die Alltags- & Gemeinschaftspraxis: Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse auf ein eigenverantwortliches, achtsames und gemeinwohlorientiertes Handeln in Alltag, Beruf und Gemeinschaft.

Noch Fragen?

Dann melde dich gerne bei

Sebastian Liesecke

0157 35355698

Lebensschule
grund-stiftung am Schloss Tempelhof
Tempelhof 3, 74594 Kreßberg
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